Sonntag, 11. Januar 2026

Mitten hinein redigt: Taufe Jesu – Matthäus 3,13–17

Der Gottesdienst kann auch unter :
https://www.youtube.com/watch?v=iREYCChC7yg 
angeschaut werden
 

Predigtanfang

Ein neues Jahr liegt vor uns. Noch fast unberührt. Und doch sind wir nicht leer hierhergekommen.
Wir bringen mit: Erfahrungen, die nachhallen. Entscheidungen, die uns noch beschäftigen. Manches, das wir gern hinter uns lassen würden – und anderes, das wir wider besseres Wissen mitgenommen haben.

Ein Jahresanfang fühlt sich oft an wie ein Versprechen. ähh… Ich meine wie ein Aufbruch, eine Zeit voller Möglichkeiten, die wir noch nicht greifen können.“
Aber ehrlich gesagt: Nicht jeder von uns steht heute hoffnungs-voll am Start. Manche stehen eher bis zu den Knöcheln im Wasser und fragen sich, ob sie festen Grund unter den Füßen haben. Genau dort beginnt unsere heutige Geschichte., unser heutiger Predigttext. Nicht im Tempel. Nicht bei den Starken. Nicht bei denen, die alles im Griff haben. Sondern am Jordan. Im Wasser der Umkehr. Mitten unter Menschen, die sagen: „So wie es ist, kann es nicht bleiben.“

Und Jesus kommt dazu. Nicht, weil er es nötig hätte. Sondern weil wir es nötig haben.

 Hören wir auf den Text aus Matthäus 3,13–17:„Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns,
alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Bilder vom Jordan – persönliche Eindrücke

Ich möchte euch ein paar Eindrücke zeigen. Ich war selbst am Jordan.
Wir stellen uns oft Wasser groß, weit und klar vor. Vielleicht wie das Meer. Aber der Jordan? Er ist kleiner als die Wupper. Trüb. Unruhig. Nicht besonders majestätisch.

 


Seht ihr das? Nicht weit, nicht klar – und trotzdem geschieht hier Geschichte.

Und genau in dieser kleinen, trüben, unscheinbaren Realität steigt Jesus hinein.
So beginnt das Neue – nicht über uns hinweg, sondern mitten unter uns, mitten in unserer Unfertigkeit, mitten in unseren krummen Wegen.
Ich möchte euch ein paar Eindrücke zeigen. Ich war selbst am Jordan. Bilder beschreiben
Wir stellen uns oft Wasser groß, weit und klar vor. Vielleicht wie das Meer. Aber der Jordan? Er ist kleiner als die Wupper. Trüb. Unruhig. Nicht besonders majestätisch. Seht ihr das? Nicht weit, nicht klar – und trotzdem geschieht hier Geschichte.
Und genau in dieser kleinen, trüben, unscheinbaren Realität steigt Jesus hinein.So beginnt das Neue – nicht über uns hinweg, sondern mitten unter uns, mitten in unserer Unfertigkeit, mitten in unseren krummen Wegen.
 
Der Stolperstein – Johannes zweifelt
Johannes wehrte sich und hat allen Grund sagen: „He Jesus, nein, das geht nicht. Du solltest mich taufen und nicht so rum.“
Theologisch korrekt. Moralisch sauber. Und trotzdem falsch und es hätte die Botschaft verfehlt. Johannes spricht aus, was viele von uns denken – vielleicht gerade wir, die sagen: So kann es nicht weitergehen: „Ich müsste doch von dir getauft werden.“
 Johannes denkt genauso, wie viele von uns denken, wenn sie Halt suchen:
Gott ist Gott.  - Ich bin Mensch.  
Du bist oben.  - Ich bin unten.
Du gibst.  - Ich empfange.
Das ist übersichtlich. Das gibt Sicherheit. Da weiß jeder, wo er hingehört. Und gerade in Zeiten, in denen wir sagen: So kann es nicht weitergehen, wünschen wir uns oft genau diese Klarheit: feste Rollen, klare Zuständigkeiten, eindeutige Ordnung. Nicht, weil sie immer wahr ist – sondern weil sie ruhig macht
 Weil Gott etwas tut, das wir Menschen schwer aushalten und verstehen: Er ordnet sich ein - statt sich abzuheben. Er steigt hinein. Nicht weil er muss, sondern weil wir es brauchen.
Hier wird klar: Das Neue beginnt nicht erst, wenn wir alles verstehen oder alles richtig machen. Es beginnt, wenn wir offen sind – selbst für Dinge, die wir nicht verstehen.
Nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht außen vor. Sondern mitten dabei.
 
Die Stimme – Identität vor Leistung
Und dann ist da diese Stimme aus dem Himmel. Keine Erklärung. Kein Auftrag. Nur ein Satz: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Jesus hat noch nichts getan, was man vorzeigen könnte. Keine Predigt. Keine Heilung. Kein Wunder. Und trotzdem spricht Gott ihm zu, wer er ist, bevor alles andere beginnt.
Vielleicht kennen wir die andere Stimme in unserem Leben: Du musst erst stärker, klüger, erfolgreicher sein. Immer besser als andere. Immer genug gegeben haben. Immer leisten. Immer funktionieren.
 Der Text sagt:
 „Identität kommt vor Leistung“ → „Wer du bist, zählt mehr als das, was du leistest.“
„Angenommensein vor Tun“ → „Dass du angenommen bist, ist wichtiger als alles, was du tust.“
Gott spricht: Du bist mein geliebtes Kind. Du bist gesehen. Du bist angenommen.
Und die Jahreslosung bestätigt es: „Siehe, ich mache alles neu.“ Nicht indem neue Menschen kommen. Nicht indem wir ersetzt werden. Sondern mitten hier im Jetzt, -  mit dir – so wie du bist – spricht Gott: Ich liebe dich. Ich habe Wohlgefallen an dir. Ich erneuere nicht dich durch andere, ich erneuere dich, wo du stehst, mitten in deinem Leben, mitten in deinem Jahr, mitten in deiner Geschichte.
 
Meditation und Segensangebot
 Vielleicht sitzt du hier und spürst: Ich bin nicht perfekt. Ich habe Fehler gemacht, zu wenig gegeben, zu viel gezweifelt. Ich weiß wovon ich rede – das schwarze Schaf der Familie war häufig ich, immer besser sein wollen/müssen, nie war es genug. Geht es dir manchmal auch so? Damit ist Schluss.
So wie du bist, bist du richtig. So wie du bist, bist du geliebt. So wie du bist, kann Gottes Neues beginnen. So kann Gott etwas Neues in deinem Leben tun.
 Stell dir vor, du stehst am Jordan. Das Wasser umspült deine Füße. Jesus steigt mitten hinein. Er drängt dich nicht ab, er steigt nicht über dir hinein und läßt dich links liegen oder stehen, sondern mit dir. Der Himmel öffnet sich nicht, weil alles perfekt ist. Sondern mitten im Unfertigen. Und die Stimme sagt: „Du bist mein geliebter Mensch.“
 
Atme ein – und spüre: Du bist gesehen.
Atme aus – und spüre: Du bist angenommen.

Wenn du möchtest, kannst du diese Zusage jetzt persönlich spüren. ICH werde geliebt. –  Du musst nichts tun. Du musst nichts beweisen.
Nur stehen, atmen, spüren: Ich bin Gottes geliebtes Kind.

Schluss – Kernaussage
 Jesus kommt zu uns – mitten hinein ins Wasser, ins Leben, in unsere krummen Wege.
Und Gott sagt: 
„Siehe, ich mache alles neu – nicht mit neuen Menschen, sondern mit dir, geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Nicht weil wir anders werden müssen.

Sondern, weil Gott schon da ist. Nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht ersetzt. Geliebt. Amen