Montag, 17. April 2017

Predigt Palmsonntag in Vegesack

Die Salbung in Bethanien

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.


Passionszeit – traurig Zeit – angstmachend Zeit

Wir beschäftigen uns in der Passionszeit mit de
m Sterben. Wer leben will, will vom Sterben nichts wissen. So erleben wir es heute jedenfalls - in einer Zeit, in der der Tod immer mehr aus unserem Leben herausgehalten wird. Anders als in früheren Zeiten und in anderen Teilen der Welt, haben die wenigsten Kinder je eine Leiche gesehen. Und auch die meisten erwachsenen Menschen begegnen dem Tod im Alltag vor allem im Fernsehen. In manchen Krimis kommen mehr Leichen vor, als die Zuschauer je in ihrem eigenen Leben sehen werden. Wenn ein Angehöriger stirbt, wird der Leichnam so schnell wie möglich aus dem Haus gebracht. Totenwache, Aussegnung, Abschied am Totenbett sind die Ausnahme geworden.

Sterben macht Angst. Vielleicht ist es die Endgültigkeit, die uns solche Angst macht. Oder die Möglichkeit, dass wir beim Sterben leiden. Oder der Abbruch der Beziehungen, den wir mit dem Sterben verbinden. Wir sind weg, wenn wir sterben. Oder wir erleben, wie einer, der uns lieb ist, vielleicht der Liebste im Leben ist, einfach weg ist.

Es gibt schon gute Gründe dafür, dass uns das Sterben Angst macht, unser eigenes Sterben oder auch das Sterben eines anderen. Wahrscheinlich war es immer schon so. In früheren Zeiten, in denen die Menschen hierzulande permanent mit dem Tod konfrontiert waren, ob durch Pest, Hunger oder Krieg, hat er ihnen Angst gemacht. Und heute ist es noch genauso. Wenn wir heute Fernsehbilder aus Regionen der Welt sehen, in denen der Tod ein ständiger Begleiter ist, aufgrund von Hunger, aufgrund von Krieg, aufgrund von Terror, dann sehen wir nicht abgestumpft gleichmütig wirkende Menschen, sondern dann sehen wir besinnungslos schreiende Mütter, Männer mit verzweifelten Gesichtern, zur Klage erhobene Hände. Der Tod verursacht Trauer und manchmal auch Schrecken, egal wo er auftritt. Das ist heute so und das war früher wahrscheinlich auch nicht anders.

Schon die Bibel gibt davon Zeugnis. Man muss sich nur einmal klarmachen, wie die 12 Männer, die in der Bibel als "Jünger" Jesu bezeichnet werden, mit diesem Thema umgehen. Jesus versucht ihnen immer wieder klarzumachen, dass sein Weg ein Leidensweg sein wird, dass er in den Tod führen wird. Die Geschichte von Jesu Leidensankündigungen und der Reaktion der Jünger darauf ist eine bemerkenswerte Geschichte. Die Jünger wollen es nicht hören. Und Jesus reagiert irritiert. Bei Petrus ist es besonders drastisch.

Im Matthäusevangelium heißt es: "Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!" Und Jesus reagiert scharf: Er wendet sich um zu Petrus und sagt: "Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist." (Mt 16,21-23).

Die Männer können mit der Aussicht dass Jesus Leid und Tod widerfahren wird, nicht umgehen. Als Jesus tatsächlich festgenommen wird, verleugnet Petrus ihn. Und als er stirbt, laufen die Jünger weg.

Umso erstaunlicher ist die Geschichte von der Salbung in Betanien. Es ist das erste Mal in den Berichten über Jesu Worte und sein Wirken, dass jemand versteht, was mit Jesus passieren wird. Dass jemand die Aussicht auf das Leiden aushält. Dass jemand mit dem Tod umgehen kann. Es ist eine Frau, ein "Jüngerin", wie man vielleicht sagen kann, die mit einem liebevollen, ja zärtlichen Ritual sichtbar macht, dass sie auch im Leiden und im Tod an Jesu Seite ist. Es sind die Frauen, die dann später tatsächlich am Kreuz bei Jesus sind, als er stirbt, die am Ostermorgen zum Grab gehen, und die dort die ungeheure Botschaft von Jesu Auferstehung hören.

Was wäre die Passionszeit ohne diese Geschichte, ohne diese leichtsinnige, zärtliche Begegnung inmitten eines gewalttätigen Geschehens, ohne dieses verschwenderische und berechnungsfreie Geschenk einer Frau.
Noch dunkler und erdrückender wäre sie, nur von Schmerz und Abschied belastet. Unerträglich wäre sie. Ein Leidensweg ohne Atempause, ohne lichten Moment.

Es kommt mir vor, als würde diese Frau mit ihrer duftenden, sündhaft teuren Salb-Öl einen Stern in einen dunklen Stoff sticken, einen Blickfang, der Jesus und seinen Jüngern für einige Augenblicke die Möglichkeit eröffnet, sich in etwas Schönes hinein zu entspannen.

Unsere Frau ohne Namen platzt ins abendliche Essen, in eine Tischrunde mit lauter Männern.
Sie scheint es eilig zu haben. Geht direkt auf Jesus zu. Ich nehme an, dass sie weiß, wenn sie zögert oder sich erklärt, kommt sie nicht dazu, ihn zu salben. Man würde sie vor die Tür stellen. Sie hat hier nichts zu suchen.

In ihren Hände, ein Fläschchen mit kostbarstem Nardenöl. Das teuerste Duftöl weit und breit.


Kurzer Einwurf: Ich habe  ein Fläschchen Nardenöl mitgebracht. Ich war überrascht, was  das für  ein Duft ist. Ihr dürft gerne mal daran schnuppern. Bitte geht nicht so verschwenderisch damit um, wie unsere Damen in der biblischen Geschichte, denn es ist tatsächlich nicht ganz so billig.

Die Narde ist eine Nutz- und Heilpflanze aus dem Himalaya, die schon in der Antike bis in den Mittelmeerraum exportiert und zur Zubereitung kostbarer Öle und Salben verwendet wurde. Die Pflanze wächst wild bis auf 5.500 Meter Seehöhe. In der Bibel im Johannesevangelium wird der Wert des verwendeten Öls mit 300 Denaren angeben, was in etwa dem Jahreslohn eines Arbeiters entsprach, also nach heutigem Wert etwa 20.000 EUR.

So teuer war dieses Fläschchen jetzt nicht.
Die Frau also geht zu Jesus, zerbricht den schmalen Hals des Alabaster-Fläschchens, der so konstruiert ist, damit der wertvolle Inhalt nur tropfenweise herauskommt, damit ja nichts vergeudet wird. Sie schüttet gleich den ganzen Inhalt auf den Kopf Jesu. Mit zärtlichen Berührungen verteilt sie das Öl. Der Duft wird ihn begleiten, die Vergegenwärtigung der zärtlichen Hand wird ihn trösten.

 Die Jünger protestieren: "Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können." Es ist Jesus selbst, der den Verstehenshorizont für das öffnet, was da passiert. "Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan." Und er selbst gibt diesem Akt und der Frau, die ihn vollzieht eine Bedeutung, die kaum zu überschätzen ist: "Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat."

Diese Geschichte spricht mitten hinein in unsere heutige Welt, in der wir so sprachlos gegenüber dem Tod geworden sind. Wie sehr können wir die Angst der Jünger nachvollziehen, die diese dunklen Andeutungen über das bevorstehende Leiden nicht hören wollen, die vom Tod nicht reden wollen, bis es unvermeidlich geworden ist.

Die Frau weiss, wie fragil und schutzlos der Mensch gegenüber Mächtigen sein kann. Wie ausgeliefert und hilflos. Sie ist eine Frau. Sie hat es erfahren und wird es gleich wieder erleben. Sie tut es trotzdem. Das ist ihre Stärke.
Und welche Kraft hat genau inmitten dieser Gefühlslage die zeichenhafte Aktion der Frau. Man kann die Liebe, die Dichte der Beziehung, die Tiefe der Verbindung, die zwischen der Frau und Jesus besteht, noch heute durch diesen fast zwei Jahrtausende alten Text spüren. Und man kann spüren, dass diese Tiefe der Beziehung etwas ist, was durch Leid und Tod gerade nicht aufgehoben, sondern, im Gegenteil, bekräftigt wird. Man kann in der Geschichte spüren, was Paulus mit so eindrucksvollen Worten beschreibt und was für jeden und jede einzelne von uns heute so tröstlich ist: "Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn (Röm 8,38f).


Bist du verrückt, ruft es aus der Runde der Tischgenossen. Das ist pure Vergeudung.
So teures Öl. Ein ganzes Vermögen. Du würdest Jesu mehr Freude machen, wenn du das Geld statt für diesen Luxus für die Armen einsetzen würdest. Gute Werke wollen wir sehen, keine sinnlosen Taten.

Etwas an dieser Haltung der Jünger Jesu kommt mir bekannt vor. Es reicht bis in meine Kindheit zurück.
Urprotestantisches Denken. Nüchternheit. Ausklammerung des Sinnlichen. Kleider müssen sauber sein und geflickt, bis auf die Unterwäsche. Ja keine Löcher in den Socken. Das ist das Wichtigste. Farbig sollten die Kleider aber nicht sein, auffällig auch nicht. Schönheit macht hoffärtig. Schönheit und Stolz wachsen auf einem Holz.


Die Freunde Jesu. Sie meinen es gut. Sie wollen das Beste. Sie glauben ihn zu kennen, ihren Meister.
Sie haben seine Denkweise übernommen.
Haben sie auch sein Mitfühlen übernommen?
Sie folgen ihm nach, blind.
Sie sehen nicht, was er jetzt in dieser Stunde brauchen könnte.
Sie denken nicht selber.
Sie halten sich an Regeln.
Sie fühlen nicht selber.
Sie weisen die Frau zurecht.
Sie sind überfordert mit Zärtlichkeit und Liebe.

Die Reaktion Jesu muss die Jünger erschreckt und verunsichert haben. Er nimmt diese Verschwenderin in Schutz. Ein Argument nach dem andern nimmt er Zu Hilfe, um diese Frau zu verteidigen. Er versteht ihre Handlung.
Sie kann nicht anders. Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt.
Mehr noch, er lobt ihr Handeln. Sie hat ein schönes Werk an mir getan.
Und zuletzt will er sie noch verewigen. Man wird sich an sie erinnern.
Für Jesus ist diese Frau, die einzige Anwesende, die verstanden hat, was er jetzt braucht. Der Duft des Nardenöls, die Zärtlichkeit der Gesten, die Liebe in der Verschwendung, all das wird ihn durch die Leidenszeit tragen, mehr als alles andere. Die Frau hat intuitiv erfasst, dass er nicht mehr lange da ist. Der Augenblick zählt mehr als das Nachdenken. Das warme, lebendige Gespür für eine Situation zählt jetzt mehr als die kühle Vernunft. Die einfühlenden Gesten der Frau, die Nähe und Zuwendung enthalten letztlich Tröstung. Sie lindern Angst und Einsamkeit und geben Kraft, alles durchzustehen.

Wie wäre Jesus in den Tod gegangen, ohne diese zärtlichen Berührungen, ohne diesen Hauch von Erotik. Sie sind der helle Fleck im dunklen Geschehen, ein kurzer Wärmeeinfall in der kalten Trostlosigkeit der Passionszeit. 
Die liebevolle Salbung Jesu durch die Frau "zum Begräbnis", wie Jesus sagt, ist ein eindrucksvolles Zeugnis genau dafür. Genau für das, was wir heute am dringendsten brauchen.
Und noch etwas sagt uns diese Geschichte, das aktueller nicht sein könnte. Der Protest der Jünger gegen die Handlung der Frau speist sich aus Überlegungen, die uns heute sehr bekannt vorkommen. Die Jünger sagen: "Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können."
Nutzenabwägungen haben immer einen gewissen Platz, wenn es um die Verteilung knapper Ressourcen geht. Und so mancher fragt sich beim Hören oder Lesen dieser Geschichte vielleicht auch, ob die Jünger nicht Recht haben. Aber Nutzenerwägungen haben eben Grenzen. Es ist für unsere Diskussionen um den Umgang mit dem Sterben heute schon bemerkenswert, wo diese biblische Geschichte die Grenze markiert: die liebevolle Begleitung von Menschen, die auf den Tod zugehen, ist nicht aufrechenbar gegen einen noch so hohen anderen Zweck. 
„Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt“, so erklärt es Jesus am Ende der Szene und nimmt vorweg, dass die Rede von seinem Tod Evangelium sein wird, frohe Botschaft, Heil für alle Welt.Damals in Betanien hat es begonnen, offenbar zu werden.
Ob die, die dabei waren, die Größe des Momentes verstanden haben? Der Evangelist erzählt uns nicht, wie sie reagiert haben. Doch ist die nächste Szene der knappe Bericht über den Verrat des Judas. So unvermittelt die Szenen aufeinanderfolgen, so sehr überstrahlt die eine die andere.
Während Judas mit den Hohenpriestern über seinen Verrat schnell handelseinig wird, ist das Haus des Simon vermutlich noch lange erfüllt vom Duft des kostbaren Öls.Wir heute und hier brauchen kein kostbares Nardenparfüm, um diesen Duft, diese Botschaft bis auf den Grund unserer Seele hinab wirken zu lassen. Auch wenn wir eben einmal daran geschnuppert haben und wir seinen besonderen und langanhaltenden Duft noch in der Nase haben.Auch andere Formen und Erfahrungen schenken uns Gewissheit, dass Jesus der Messias ist und dass seine Wirklichkeit in unser Leben herüber strahlt: ein klärendes Wort,  eine zärtliche Geste, eine tröstliche Musik, ein Weg, der sich auftut nach langer Suche, vielleicht die Erfahrung von Großzügigkeit oder Befreiung –auch sie können uns erzählen und hinein holen in diesen Raum der Gewissheit wie ein Duft, der von Liebe erzählt und von der Ewigkeit. Einer Ewigkeit, der wir begegnen in Jesus Christus.

Amen



Donnerstag, 13. Juni 2013

Gebet von Paul Roth

Ein Gebet was mir im Moment sehr Nahe geht:

Herr, meine Uhr hat mich erschreckt. Mein Blick fiel auf den Sekundenzeiger. Mit leisem Ticken rechnet er die Sekunden meines Lebens ab.
Herr, sie machen mir Angst, die unzähligen Augenblicke meines Lebens, die ich vertan und verdorben habe. Denn keiner kehrt zurück, dass ich ihn besser leben könnte.
Ein Wort im rechten Augenblick, ein schweigendes Zuhören zur rechten Zeit, ein Händedruck, ein Geschenk, ein Gebet, sie können ein ganzes Leben ändern.
Das Richtige im rechten Augenblick zu erkennen und aus Liebe zu tun, das, Herr, erbitte ich mir von dir.

Montag, 13. Mai 2013

Mutter- oder Elterntag,...

....egal. Auf alle Fälle wunderschön. Vielen Dank!


Südafrika besucht Amsterdam

Am Samstag den 11. Mai traffen wir unsere Freunde aus Pretoria in Amsterdam. Neun Jahre haben wir uns nicht gesehen und  doch sofort wieder erkannt.

Treffpunkt:
Stedelijk Museum Amsterdam, hier Museumrestaurant: Der Service war nicht besonders gut. Die Unterhaltung schon, in Afrikaans, Deutsch, Niederländisch und Englisch - herrlich

Stedelijk Museum in Amsterdam, hier het museum restaurant: De service was niet erg goed. Het gesprek al well, in het Afrikaans, Nederlands en Engels, prachtig.

Stedelijk Museum in Amsterdam, hier die museum restaurant: Die diens was nie baie goed nie. Die gesprek al well, in die Afrikaans, Nederlands en Engels, pragtig.

Stedelijk Museum in Amsterdam, hier the museum restaurant: The service was not very good. The conversation already in Afrikaans, German, Dutch and English, spendid

Marlu, Phil und Ingrid (wahrscheinlich die ersten Fotos ins  facebook stellend)


Marlu, ihr Smartphone suchend
 Die Grachtenrundfahrt

Phil immer lächelnd - Phil altyd glimlag

 Das "eye"







 Weg zum Ausgangspunkt zurück. Nach der Grachtenrundfahrt und dem Besuch in einem irischen Pub mit Fußballübertragung. Und nun ist der Besuch für uns schon zu Ende.
 Auf der Museumsmeile
 Marlu, Phil und Ingrid
 Marlu, Phil und Manfred
 Phil, Manfred und Ingrid



Fünf Stunden vergingen wie im Flug. Hoffentlich dauert die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen nicht so lange....
Vijf uren vlogen voorbij. Hopelijk zal de tijd niet zo lang zijn, tot de folgende ontmoeting.
Vyf ure gevlieg verby. Hopelik sal die tyd nie so lank is, tot die folgende ontmoeting.
Auf Wiedersehen - Totsiens. - Tot ziens - Goodbye
God's blessing be with you - Gods zegen zij met u - God se seëninge met u wees - Gottes Segen sei mit euch

 Metallbücher vor einer Kirche

Freitag, 26. April 2013

Hochzeitstag am 19.04.2013

Eigentlich began unser Tag ganz normal (mit Arbeit - es war Marktfrühstückstag), aber dann kamen die kleinen Überraschungen. Die Reise ging gegen Mittag in Richtung Brühl..... zum.....

.....Schloss Augustusburg. Hier gab der Bundespräsident von 1949 bis 1996 Empfänge für seine Staatsgäste und der "Rote Teppich"  wurde ausgerollt. Es muss wohl zu den bedeutendsten Bauwerken des Barocks und Rokokos in Deutschland gehören und seit 1984 gehörte es mit dem Schlosspark zum UNESCO-Welterbestätten. Und es ist wirklich beeindruckend.


Grundrisse von der uralten  und der neuen Parkanlage. Man kann erkennen, dass die Parkanlage vom Grundriss sich kaum verändert hat und dass ist sehr schön, weil...........

......sich auch hier in der Ansicht nicht viel verändert hat, mal abgesehen davon, dass die Terassen erneuert werden. Daher die Baustelle vor dem Schloss.
Einer der vielen Teiche und Wasserspiele im Park mit ihren Fontänen.

Und das ist die Spitze des Wasserbergs..........

Und das ist die Spitze des Hochzeitstages............

küssen unterm Mistelzweig


Auf dem Baum wuchsen tatsächlich Misteln


Das war ein ereignissreicher und wunderschöner Frühlingstag.....

....unser elfter Hochzeitstag


Freitag, 12. April 2013

Predigt vom 14.04.2013, die Emmausjünger

Sagen Sie mal, Herr Kleopas....

Journalist:  Um die Jünger besser zu verstehen, möchte ich mit Ihnen das, was damals geschehen ist, in unsere Zeit holen. – Die wichtigsten Nachrichten werden im Fernsehen als Erstes gebracht. In den Tageszeitungen stehen sie fett gedruckt auf der Titelseite. Von daher haben wir heute einen besonderen Gast hier im Gottesdienst. Es ist Kleopas, einer der beiden Männer die nach Emmaus unterwegs waren. Seien Sie uns herzlich willkommen Herr Kleopas.

Kleopas:  Hallo und einen gesegneten Gottesdienst

Journalist: Sie sind zurzeit ja überall eine gefragte Person und haben nur wenig Zeit. Deswegen möchte ich Sie auch gleich Fragen:  Sie und Ihr Mitbewohner  haben als erste Menschen der Kirchengeschichte das Heilige Abendmahl gefeiert.

Kleopas:  So heilig war das für uns zunächst gar nicht, wenn ich ehrlich bin. Mein Freund  und ich hatten diesen Mann kennen gelernt auf dem Weg von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Die Geschichte spielte sich so zusagen zwischen zwei Orten, Jerusalem und Emmaus, und auf dem Weg der dazwischen liegt ab. Wir wollten fort, fort von dem Ort unserer größten Enttäuschung.
Seltsam, wunderten wir uns, als wir ins Gespräch kamen, dass der noch nicht von der Kreuzigung Jesu gehört hatte! Wir waren wirklich völlig verzweifelt und enttäuscht.

Journalist:  Das ist verständlich. Immerhin hatten Sie Ihren Lehrer, Ihren Meister, Ihr Vorbild verloren.  Aber mal ganz ehrlich: Sie haben zwei Stunden lang mit einem Weggefährten über Glaubensfragen gesprochen? – Ich würde ich mich übers Wetter, die Landschaft, die Menschen, über Politik, Wirtschaft, Reisen, seinen und meinen Beruf und über Hobbys unterhalten, auch über Religion, wenn mein Mitwanderer erlaubt. Andere möchten vielleicht über Fußball, beste Automarke, Krankheiten, schlechte und gute Nachbarn, wo man billig einkaufen kann und was es neuerdings zu kaufen gibt sprechen. – Liegt es nicht doch an der Zeit und am Zeitgeist, dass man über die Bedeutung von Jesu Kreuzigung und Auferstehung nur im Gespräch mit Jesus  etwas erfahren kann?

Kleopas:  Ach wissen Sie, wenn es nur das verlieren eines Meisters gewesen wäre.  Mit seinem Tod hatten wir unsere Hoffnung verloren. Bedenken Sie: Wir hatten geglaubt, er sei der Messias, der unser Volk erlösen würde! All unser Hoffen, all unsere Zuversicht hatten wir in ihn gesetzt. Und dann das: Dieser Jesus, dieser vermeintliche Sohn Gottes, war schmachvoll am Kreuz verendet. Wie ein Hochverräter. Und unser Volk war genauso wenig erlöst wie vorher.
Aber das mit dem Zeitgeist, da ist was dran. Mir fällt dazu ein Psalm ein, der direkt am Anfang steht:
Wohl dem,…der Lust hat am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!
Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,  der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter welken nicht und was er macht, das gerät wohl.

Betrachte ich mich im Spiegel dieses Psalms, bekenne ich, dass wir  bisher sicher mehr Zeit und Aufmerksamkeit anderen Dingen und Themen widmeten,  als dem, was Gott zu unserem Leben und Erleben, zu aktuellen Fragen und zum Weltgeschehen zu sagen hat. Ich gebe zu, unser Leben ist kein „immerwährendes Gebet“. Aber gäben wir Gott mehr Raum in unserem Leben,  -> täten wir mehr und Besseres für den Frieden und die Liebe unter den Menschen und Völkern. Wir wollen uns bestimmt nicht dem jeweiligen Zeitgeist unterwerfen. Aber die Frage die daraus resultiert wäre doch: wie können wir Gott in unser Tun und Lassen mehr einbeziehen?

Journalist: Der unbekannte Wanderer, den Sie da auf dem Weg trafen, belehrte Sie eines Besseren.

Kleopas: Stimmt. Er erklärte uns, was die Heiligen Schriften und die Propheten gelehrt hatten: Z.B. Die Geschichte, die wir ja auch vorhin schon gehört haben, aus 1. Könige 19, die Verse 3-16. Diese Geschichte hat doch viel mit unserer Geschichte, mit der Begegnung mit Jesus gemeinsam. Die fand ich ziemlich spannend, wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke. Sie schildert eine Begegnung mit Gott, die ich so bisher für mein Leben nicht kannte. Und wenn ich das heutige Leben, das Hier und Jetzt beurteilen mag, so scheint es mir, dass Gott sich im Alten und im Neuen Testament unmittelbarere und konkreter mitteilte, als wir das heute erleben, oder?

Journalist: Wie meinen Sie das? Sie sind  doch Jesus begegnet?

Kleopas: Ja schon – aber dann war er auch wieder weg. Und manchmal frage ich mich, ob ich ihn wirklich live erlebt habe. Später bevor Jesus ja zu seinem Vater zurück gegangen ist, hat er uns ja den Heiligen Geist dagelassen. Und mit Blick auf ihn hat uns Jesus zugesagt: Ich werde meinen Stellvertreter zu euch senden! Sie erinnern sich vielleicht?...

Journalist: …Ja, ja – aber…

Kleopas:  …Mit dieser Beobachtung stoßen wir heute an unserer Grenzen. Wir haben Gott nicht mehr so bei uns, wie wir es gerne hätten,  in Erlebnissen und im Gebet, beim Lesen der Bibel und in den Herausforderungen des Alltags. Tatsächlich begegnet uns Gott anders. Er ist der vorübergehenden Gott – ja  - der uns auch irgendwie irritiert, nicht wahr?  Selbst Sie kommen ja ins Grübeln und Stottern.

Journalist: Eigentlich wollte ich ja auch nur wissen wie es dann mit ihnen beiden weiterging. Und nun erzählen sie mir etwas über einen vorübergehenden Gott? Vorrübergehend wie:  aus und vorbei?
Oder wie:  nur für kurze Zeit?
Um das zu verstehen, stelle ich mal zwei Sätze in den Raum: meinen Sie eher:
 Die Linie 8 fährt nur vorübergehend nicht über die Eisenbahnstraße. Oder:
Das Geschäft bleibt wegen Krankheit vorübergehend geschlossen?

Kleopas:  Ich meine fast beides. Also: Der Heilige Geist ist in uns. Einerseits ist Gottes Geist nicht mal bei uns und dann mal wieder fern von uns. Anderseits schwankt unsere Empfindung seiner Gegenwart. Das offenbart beides: Gottes Nähe und seine Distanz. Als wir mit Jesus von Jerusalem nach Emmaus waren, und er uns so eindrücklich Dinge erklärte, fragte er uns, ob wir uns die Szene am Berg Horeb vorstellen könnten, vor allem den Sturm und das Feuer, der berstende Fels und der krachend Blitzschlag. Aber in allem war Gott nicht! Das ist deutliche Kritik an einer Gottessuche, die auf das besondere und eindrücklich große Ereignis wartet. Begegnung mit Gott kommt vielfach unscheinbar daher. Sie geschieht beiläufig und geht wie leises Säuseln vorüber. So wie auch Jesus ganz leise zu uns kam und wieder ging. Wer nach Sturmbrausen Ausschau hält, mag gar nicht merken, wie Gott vorübergeht.
Natürlich ist es unser Wunsch, dass er stets unser spürbarer Begleiter ist. Es war einfach toll, mit Jesus unterwegs zu sein so hautnah, wenigsten für zwei Stunden haben wir gespürt, wie grandios das ist. Vielleicht kennt der ein oder andere ja das Gefühl, wenn man z.B. auf dem KiTa ist, Oasentage mitmacht oder andere intensive Seminare besucht. Dann könnte man am Schluss heulen, weil man auseinander geht. Das erlebte war so schön, dass man sich wünscht es ginge ununterbrochen weiter.
Doch schon bald spürten wir erneut sein Schweigen und fühlten uns allein gelassen. Das ist es, was dem Glauben so zusetzt: zu wissen, dass Gott da ist, und zu trauern, weil er nicht ständig sichtbar neben uns hergeht, so wie wir es  zwei Stunden lang erfahren haben.  Und er erklärte uns in dieser Zeit noch so viel mehr: Dass er in der Zeit des Neuen Testamentes auch ein vorübergehender Christus war. Vielfach können wir heute lesen, wie er in der Landschaft rings umher zog, von Judäa nach Samaria. Mal war er hier, mal war er da.  Und darin zeigt sich wozu er gekommen ist. Von diesem umherziehenden Jesus ging die Kraft Gottes aus. Durch ihn fand Zachäus zu einem neuen Lebensbeginn, las Jesu an dem Baum vorüber ging, in dem er saß. Dem Blinden wurden die Augen aufgetan, als er nach dem vorbeiziehenden Jesus rief.  Auch hier wird deutlich: Jesu ist nur vorübergehend bei uns gewesen. Das Erscheinen Gottes unter uns Menschen war nicht bleibend. Und auch sein kommen durch den Heiligen Geist trägt diese Merkmal: Der Geist weht, wo er will. Wir hören sein Rauschen und wissen doch nicht, woher er kommt und wohin er geht. Steht in Johannes 3, Vers 8.
Eigentlich ist es so wie mit dieser Kerze. Sie ist warm und wir können unsere Finger daran wärmen, sie strahlt ein Licht aus. Und gerade in der Dunkelheit leuchtet sie uns und gibt uns Sicherheit. Wenn ich sie jetzt auspuste, dann gibt sie keine Wärme mehr ab und wenn es hier jetzt Dunkel wäre, würden wir nichts mehr sehen. Auch die Kerze nicht mehr. Aber sie ist immer noch da. Sie gibt keine Wärme ab, wir spüren sie nicht und wir sehen sie nicht mehr und doch steht sie noch hier. So ist das auch mit Jesus. Wir spüren ihn nicht und wir sehen ihn nicht und  doch ist er da.
Wir hatten ein super Gefühl, als er mit uns unterwegs war und die Hoffnung, die wir schon fast aufgegeben hatten, keimte wieder in uns auf. Dieser unbekannte Mann war klug und geistvoll.

Journalist: Deswegen wollten Sie ihn auch zum Essen einladen?

Kleopas:  Wohl jeder umgibt sich gerne mit Menschen, mit denen das Zusammensein angenehm ist. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch von guten Gesprächen bei Tisch. Abends, als wir angekommen waren in Emmaus, wollte der Mann weitergehen. Wir luden ihn ein, bei uns zu bleiben.

Journalist: Von einer Einladung berichtet die Bibel nichts. Sie hätten ihn »genötigt«, schreibt der Evangelist Lukas.

Kleopas:  Nun ja, ich gebe zu, als er der ersten Einladung nicht folgte, setzten wir das ganze Repertoire unserer Überzeugungskraft ein. Wir berichteten ihm von üblen nächtlichen Überfällen, machten ihm den Mund wässrig, indem wir ihm von den Köstlichkeiten erzählten, die bei uns in der Vorratskammer lagerten. Es wirkte.

Journalist: Letztendlich hat er aber dann nur das Brot genommen.

Kleopas:  Hinterher ist man immer schlauer. Er nahm es, dankte, brach's und gab's uns...

Journalist:  ...wie beim letzten Abendmahl vier Tage zuvor.

Kleopas:  Genau so. In dem Moment erkannten wir ihn. Und schlugen uns die Hände vor den Kopf vor so viel Blindheit. Jesus schmunzelte ein bisschen. Nicht aus Schadenfreude, eher war er glücklich darüber, dass er uns auf diese Weise die Augen geöffnet hatte. Wir saßen noch eine Weile beisammen, aßen, tranken, erzählten. Und feierten die Hoffnung, die wir verloren geglaubt hatten: Jesus war doch der Messias, für den wir ihn gehalten hatten. Er war gestorben und vom Tode auferstanden. Unfassbar - aber wahr. Kaum, dass wir diese frohe Botschaft verstanden hatten, war Jesus plötzlich verschwunden.

Journalist: Wie? Auferstanden, raus gerannt, weggebeamt?

Kleopas:  Ich kann es nicht besser beschreiben: Er war verschwunden. Wir saßen alleine am Tisch, sein Teller stand noch da, sein Stuhl auch - aber er war weg. Unser Wunsch, dass er bleiben möge widerspricht geradezu der Art und Weise, wie er uns tatsächlich begegnen will. Auch das habe ich erst viel später verstanden. Immer wieder neu, aber nie für uns verfügbar. Christus lässt sich durch niemanden aufhalten. Das müssen wir lernen, wenn wir zu erfüllter Gottesbegegnung  finden wollen. Aber es steht unserem menschlichen Streben und Wollen entgegen. Wir wollen behalten, festhalten, an uns binden und besitzen. Niemand wird Christus in seinem Herzen behalten, der ihn nicht als Vorübergehenden lieben lernt.
Das begriff ich in dem Moment noch nicht so genau, aber nach einer Schrecksekunde wurde uns klar: Das müssen wir den Jüngern erzählen, die in Jerusalem noch immer trauerten. Durch die Dunkelheit wanderten, ja liefen wir z.T. zurück. Wir mussten den anderen erzählen, dass die Enttäuschungen,  die wir erleben, unterstreichen, dass wir Gott als den vorübergenenden Herrn lieben sollen. Gott will, dass wir damit einverstanden sind, denn darin zeigt sich das Vertrauen, das er bei uns sucht. Es ist nur vordergründig eine verunsichernde Erfahrung, Gott nicht besitzen zu können. Lernen wir sie anzunehmen, liegt doch gerade darin das Glück und der Frieden in der Nachfolge Jesu!

Journalist: So spät noch los zu laufen das war ziemlich unvorsichtig. Sie wussten von den vielen nächtlichen Überfällen in dieser Gegend!

Kleopas:  Wer sollte uns noch was tun können? Wir waren im Bunde mit dem Auferstandenen!          
Amen