Samstag, 6. Januar 2024

Liturgie zur Christvesper als Wohnzimmer-Gottesdienst 2023

Deko:  Weihnachtlich geschmückte Tische mit Kaffeetassen und Teegläser. Kaffeekannen und Wasserkannen für Tee. Teebeutel. Schalen mit Weihnachtsgebäck

 Vorspiel: 

 Begrüßung:

Herzlich willkommen liebe Kinder, liebe Familien, zu unserer festlichen Christvesper oder zu unserem weihnachtlichen Wohnzimmer-Gottesdienst!

ich freue mich sehr, euch alle hier zu haben, um gemeinsam diesen ganz besonderen Heiligenabend zu feiern. Heute haben wir uns entschieden, einen Wohnzimmer-Gottesdienst zu gestalten, und ich möchte kurz erklären, was das bedeutet.

Ein Wohnzimmer-Gottesdienst ist im Grunde genommen ein Gottesdienst, der in der warmen und gemütlichen Atmosphäre eines eher anmutenden Wohnzimmers stattfindet, statt in einer traditionellen Kirche.  Wir versammeln uns hier, um gemeinsam den Geist von Weihnachten zu erleben. Es ist eine schlichte Zusammenkunft, bei der wir die festliche Stimmung teilen und unseren Glauben in einer familiären Umgebung feiern.

In dieser entspannten Atmosphäre möchten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Gemeinschaft, Liebe und die Bedeutung von Weihnachten. Wir werden gemeinsam singen, beten und über die Botschaft von Weihnachten nachdenken. Es geht darum, den Heiligenabend auf eine persönliche und herzliche Weise zu begehen.

Liebe Familien, eure Anwesenheit hier zu diesem Gottesdienst macht diese Feier noch bedeutsamer. Weihnachten ist eine Zeit des Miteinanders, des Teilens und der Liebe. In unserer Gemeinschaft sind wir eine große Familie, und eure Anwesenheit bereichert unser Fest.

Möge diese Christvesper nicht nur eine Feier im Gemeindehaus-Wohnzimmer sein, sondern ein besonderer Moment, der uns alle daran erinnert, was wirklich wichtig ist – Liebe, Gemeinschaft und die Freude, die in kleinen Gesten und Momenten steckt.

Auf den Tischen stehen schon Plätzchen und die Tassen können wir mit Kaffee selbst bestücken. Bitte bedient euch und lasst uns also eintauchen in die festliche Atmosphäre, das Licht der Kerzen entzünden und gemeinsam die Bedeutung von Weihnachten erleben. Nochmals herzlich willkommen, und lasst uns gemeinsam eine unvergessliche Christvesper feiern!

Votum

Im Licht der Kerzen und im Geist der Gemeinschaft kommen wir zusammen, um die Geburt Christi zu feiern. Möge die Liebe, die an diesem Heiligen Abend in unseren Herzen brennt, in die Welt strahlen. Möge der Friede, den wir empfangen, sich wie ein sanfter Schleier über unsere Leben legen. Lasst uns mit Dankbarkeit und Freude dieses Fest begehen und in der Liebe, die uns durch Jesus Christus geschenkt ist, einander begegnen. Amen.

 

Wochenspruch:

"Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!" | Phil 4,4.5b

Kinder-Lied:

Beten  (kindgerecht)

Lieber Gott,

heute Abend sind wir hier versammelt, um die Geburt von Jesus zu feiern. Wir danken dir für das Geschenk der Liebe, das du uns durch ihn gegeben hast. Danke, dass wir Zeit miteinander verbringen dürfen, wir sind dankbar für unsere Familien, Freunde und all die guten Dinge in unserem Leben.

Wir denken an die Menschen, die heute vielleicht alleine sind oder traurig, und bitten dich, ihnen Trost zu schenken. Hilf uns, freundlich zu sein und anderen Freude zu bringen, so wie du uns Freude bringst.

Segne dieses Fest, segne unsere Familien und lass uns nie vergessen, dass du immer bei uns bist. Danke, lieber Gott, für diese besondere Nacht.

Amen.

Lied: Alle Jahre wieder

Hören - Gott spricht uns an

Kinder bleiben anwesend

 Lesung:  Weihnachtsgeschichte mit Figuren (Die Krippenfiguren werden aufgestellt, sobald sie in der Geschichte vorkommen  - die Kinder helfen dabei - Fragen zu lassen)

Setzt euch alle gemütlich hin, denn ich möchte euch eine ganz besondere Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte von der allerersten Weihnacht. Vor langer, langer Zeit, geschah etwas ganz Wunderbares.

Es war eine sternenklare Nacht, die Luft war kühl, und die Schafe schliefen auf den Feldern. In einem kleinen Dorf namens Bethlehem waren viele Menschen unterwegs, weil sie sich in ihre Heimatstadt begeben mussten. Mitten in diesem geschäftigen Treiben passierte etwas Magisches.

Maria und Josef, ein junges Paar, waren unterwegs nach Bethlehem. Maria erwartete ein ganz besonderes Baby, und sie waren auf der Suche nach einem gemütlichen Ort, an dem das Baby geboren werden konnte. Aber überall waren die Herbergen voll.

Schließlich fanden sie einen Stall, in dem sie Unterschlupf fanden. Dort, in diesem bescheidenen Stall, wurde das Baby geboren. Es war kein gewöhnliches Baby, sondern Jesus, der Retter. Maria wickelte ihn liebevoll in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil es keinen anderen Platz gab.

In dieser Nacht gab es auch einige Hirten draußen auf den Feldern, die auf ihre Schafe aufpassten. Plötzlich erschien ein strahlender Engel vor ihnen, und das Licht umgab sie. Der Engel erzählte den Hirten von der Geburt von Jesus und sagte, dass er der Retter für alle Menschen sei. Die Hirten waren so aufgeregt, dass sie beschlossen, das Baby in Bethlehem zu besuchen.

Auch drei weise Männer aus dem Osten, die Sterndeuter genannt wurden, folgten einem besonders hellen Stern am Himmel. Der Stern führte sie direkt zum Stall in Bethlehem. Sie brachten Geschenke mit, um Jesus zu ehren: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

So kamen Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammen, um das neugeborene Baby zu sehen und es zu ehren. Die Botschaft von Liebe, Frieden und Hoffnung verbreitete sich, und das ist der Grund, warum wir jedes Jahr Weihnachten feiern.

Lied: Stille Nacht

Kurzandacht

Lied:

Teilen – Gott verbindet uns miteinander

Gedicht von Sarah Marie: (gekürzt)

Gott überwindet alle Distanz

Es war einmal ne kleine Welt, in der lebten du und ich.

Und in dieser kleinen Welt vermisste ich dich fürchterlich.

Uns trennten keine Meere, keine Grenzen, keine Sprachen.

Uns trennten nur zwei Meter und das Verbot, sich zu umarmen.

Es war einmal ein kleiner Stall, fernab, in Bethlehem.

Und in diesem kleinen Stall, ist was Besonderes gescheh‘n:

Es machte Gott sich auf, dem Mensch ein Mensch zu werden.

Er stieg von seinem Thron herab und kam als Kind auf Erden.

Und dort in diesem kleinen Stall rückten sie eng zusammen

Denn Jesus, Gottes Sohn, lies die Distanz zusammenfallen.

Und plötzlich war da eine Brücke zwischen Mensch und Gott

So trafen sich der Himmel und die Erde sogleich am selben Ort.

Es war einmal ne kleine Welt, in der lebten du und ich.

Wie jedes Jahr zu Weihnachten brannte ein kleines Licht.

Und trotz all des Vermissens und den Stürmen weit und breit.

Erinnert mich das kleine Licht, dass eine Wahrheit immer bleibt:

Es gibt jetzt eine Brücke über die größte Schlucht der Zeiten.

Die größte Trennung überwunden, auch in unsich‘ren Weiten.

Wir feiern heut ein großes Fest in unserer kleinen Welt.

Wir tragen alle Masken und fühl'n uns auf uns allein gestellt.

Doch ist auch jeder hier verbunden, denn jedem ist gewiss:

Echte Distanz ist überwunden seit Jesus gekommen ist.

Und während uns zwei Meter trennen, sind wir uns darin nah,

zu wissen, dass ein großer Gott schon alle Nähe gab.

Lied:

Gebet & Vaterunser

Weitergehen – Gott sendet uns

Bekanntgaben

Hinweis zur Kollekte

Segensgebet für Kinder und ihre Familien:

Gütiger Gott, wir treten vor dich in diesem festlichen Augenblick und legen die Kinder und ihre Familien in deine liebevollen Hände. Segne sie, oh Herr, mit deiner Gnade und deinem Frieden.

Möge deine Liebe ihre Herzen erwärmen und ihre Tage erhellen. Bewahre sie vor Gefahren, schütze sie in schweren Zeiten und lass sie die Freude in den kleinen Momenten des Lebens finden.

Segne die Eltern mit Weisheit und Geduld, dass sie ihre Kinder liebevoll erziehen können. Mögen die Kinder heranwachsen in deiner Liebe und Geborgenheit, mit einem Verständnis für Gerechtigkeit und Mitgefühl für andere.

Wir bitten dich auch für diejenigen, die heute nicht hier sein können, sei es aus der Ferne oder aus anderen Gründen. Lass sie deine Gegenwart in ihrem Leben spüren.

Segne unsere Gemeinschaft, dass wir einander unterstützen und ermutigen. Möge der Friede, den du schenkst, in jedem Haus und jedem Herzen wohnen.

In Jesu Namen beten wir. Amen.

Lied: Oh, du fröhliche

 

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Predigt zum Thema Engel amPröttelmarkt-Tag "Der Berg ruft"


Ich hab da mal ne Frage:
glauben Sie, glaubt ihr an Engel? Glauben Sie, dass ein Engel kommt und Ihrem Leben eine neue Perspektive  geben kann? 

Sie sind klein und pummelig, wie wir eben im Anspiel gesehen haben, oder schlank mit langem blonden Haar und Zauberstab, sie hängen in Autos oder am Schlüsselbund: Engel haben Hochkonjunktur.

Der Michaelistag den wir heute auch haben, der Gedenktag des Erzengels Michael und aller Engel, wird in der evangelischen Kirche selten begangen. Dennoch spielen auch hier die Himmelswesen eine wichtige Rolle. Aber niedlich sind die biblischen Engel keineswegs. Als machtvolle Boten, die dem Bösen widerstehen, als Gottes "Heerscharen" treten sie auf: Michael, der mit dem Teufel kämpft, der Engel, der aus dem Gefängnis führt, und der Gottesgesandte, der unsichtbar, aber gewaltig, vom falschen Weg abbringt. Auch von Schutzengeln weiß die Bibel zu berichten. Eines jedoch wird ganz deutlich. Die Engel haben keine eigene Macht. Sie sind Diener, die durch ihren Auftrag zu Himmelsboten werden.
Im Kinderhort von Friederike in Solingen kam ein 10-jähriges Mädchen auf mich zu und fragte mich: „Glauben Sie wirklich, dass mein Engel mich nicht verlässt?“ Ich antwortete: „Ja, das glaube ich.“ „Ja, aber auch dann, wenn ich böse bin...“, bohrte es weiter. „Auch wenn du böse bist“, gab ich zur Antwort. „Auch wenn ich immer wieder böse bin?“ „Ja, auch wenn du immer wieder böse bist.“ Da fragte es ganz ernst: „Woher wissen Sie das?“ Ich sagte: „Das steht so in der Bibel.“ Dann hüpfte das Mädchen zu den anderen nach draußen zum spielen. Es war ihm ganz ernst um diese Fragen. Die Begegnung mit diesem Mädchen beschäftigte mich noch lange auf der Heimweg. Warum war es für dieses Mädchen so wichtig, dass sein Engel es nicht verlässt? Vermutlich hat es daheim oft andere Botschaften gehört: „Du bist unmöglich. Mit dir kann es keiner aushalten. Du bist eine Zumutung.“ Da war es für das Mädchen wichtig zu hören, dass sein Engel es aushält, dass sein Engel sich nicht von ihm abwendet, sondern Geduld mit ihm hat.

Jeder Mensch hat einen Engel.

Und es gibt von Engelbert Humperdinck 1854 – 1921 das wunderschöne Abendlied:
Abends, wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel um mich stehn:
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zweie, die mich decken,
Zweie, die mich wecken,
Zweie, die mich weisen,
Zu Himmels Paradeisen. 

Oder in dem Kinderlied: Guten Abend, gut' Nacht, kommen die Engel vor:
Guten Abend, gut' Nacht von Englein bewacht,
die zeigen im Traum….

Manchmal brauchen wir die Engel, damit wir aus dem Gefängnissen unserer Seele freikommen, damit wir wieder den Weg ins Freie, ins Leben, in die Liebe Gottes zurückfinden. Dazu muss uns der Engel gleichsam aufwecken, er muss uns unterbrechen und uns eine neue Sichtweise eröffne, was Gott jetzt gerade in unserem Leben tun und bewirken will.
Dietrich Bonhoeffer ist bekanntlich ja nicht durch einen Engel aus dem Gefängnis freigekommen, aber er hat von guten Mächten wunderbar geborgen eine innere Freiheit erlangt, in der er schreiben konnte: „Wer ich auch bin, du weißt es, dein bin ich, o Gott!“ Und er hat als letztes Wort vor seinem Tode sagen können: „Das ist das Ende, für mich der Anfang eines neues Lebens!“
Lassen wir doch zu, dass Gott uns durch seine Engel hilft, uns aufrichtet und freisetzt und manchmal sind es auch die Worte eines ganz menschlichen Engels, weil nicht immer – wie bei dem Besuch der 3 Männer bei Abraham und Sara – weiß man, wer sich in dieser Menschengestalt alles verbirgt. Manchmal nimmt Gott ganzbewusst Menschen als Engel in seinen Dienst.

Einer von 10 Deutschen, so wissen es die Meinungs-forschungszentren wie das Institut für Demoskopie in Allensbach zu berichten, hatte schon einmal eine solche persönliche Begegnung mit einem Engel. 66% der Bevölkerung sind ganz allgemein von der Existenz von Engeln überzeugt – das sind ein paar Prozent mehr als gegenwärtig an die Existenz Gottes glauben! Soziologen und Theologen weisen einmütig auf eine „Hochkonjunktur“ der Engel und sogar Tendezen zu einer „Engelreligion“ hin – nicht nur zur Weihnachtszeit, und nicht nur im Westen unseres Landes. Denn auch die Bürger der ehemaligen DDR entdecken zunehmend die „Jahresendflügelfiguren“ (so der sozialistische Sprachgebrauch) für sich und gewähren ihnen Einlass in ihre sonst oft so säkularisierte Lebenswelt.

Es gab eine Zeit, da hielt sich die Theologie, insbesondere die protestantische, für zu aufgeklärt und abgeklärt, um sich ernsthaft mit Engeln zu beschäftigen. Der Lutheraner Paul Althaus spottete: „Wir haben die Engel abgeschossen wie metaphysische Fledermäuse“. Hier hat in den letzten Jahren eine nachdrückliche Rückbesinnung auf den biblischen Textbestand stattgefunden. Und wer das Alte wie das Neue Testament zur Hand nimmt, kommt nicht umhin zu erkennen: Beide erzählen uns zahlreich (an über 300 Stellen!) und in wunderbarer Weise von den Engeln. Es gibt etwa einen Engel, der einen tief enttäuschten und lebensmüden Propheten wie Elijah aufrichtet und ihm zu essen und zu trinken gibt – wie eine Wegzehrung für seinen neuen Lebensabschnitt (1 Kön 19). Unmittelbar darauf wird Elijah Gott begegnen. Oder da ist der Engel, der sich dem Bileam in den Weg stellt. Und der von den Menschen nicht erkannt und verstanden wird, wohl aber von dem Tier, dem einfachen Esel (Num 22-24). Oder die Engel, die den Löwen die Mäuler verschließen, als Daniel hinab in die Löwengrube geworfen wird (Dan 6,23).Auch Jesu Leben ist von Engeln begleitet. Engel und ihre Worte durchweben die Weihnachtsgeschichte. Später stehen dann die Engel dem erwachsen gewordenen Jesus bei, als er in der Wüste dem Bösen gegenübersteht und sich bewähren muss. Am Ende seines Lebens, als er weint und im Garten Gethsemane um sein Leben fleht, erscheint ein Engel und gibt ihm neue Kraft. Und schließlich ist es ein Engel, den die Jünger am Ostermorgen in der Grabhöhle vorfinden – ein Engel, der ihnen hilft, einen neuen Blick zu entwickeln für das, was am Karfreitag geschehen ist. Einen Blick für die frohe Botschaft, die es der Welt zu verkünden galt. Die Bibel ist also eine gute und umfangreiche Quelle für alle, die sich für Engel interessieren und mehr über sie erfahren möchten. Allerdings sind die Engel kein Selbstzweck. Sie sind, wie der Hebräerbrief es formuliert, „dienende Geister“, nämlich Boten oder vielleicht der Paketkurrierdienst Gottes.

Die Aufgabe der Engel ist es, uns ein Paket zuzustellen. In der Bibel sind sie es, die den Menschen klar machen, wie Gottes Kraft heilsam wirken kann. Engel zeigen an, sie machen klar, sie vermitteln zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde und brauchen wohl eben deshalb in unserer Vorstellung Flügel, um diese Distanzen zu überwinden.
Halten Sie Ausschau nach Ihrem Engel, an den Ausfallstraßen des Lebens, in den Nächten der Entscheidung, am Horizont, irgendwo. Denn dieser Engel, mit oder ohne Flügel, mit welcher Haartracht auch immer – der hat eine Botschaft vom Chef für Sie im Gepäck. Gerade dann, wenn Sie das Gefühl haben, Gott liegt mir irgendwie fern, und seine Kirche erst recht, dann ist er gekommen, um Sie neu in Verbindung mit Gott zu bringen. Letztlich kommt es aber nicht darauf an, ob Sie oder ich an Engel glauben - entscheidend ist, ob wir empfangsbereit sind und ihrer Botschaft Glauben schenken.

Wenn sie also von Gott gestärkt werden wollen, dann setzen sie sich nicht in den Sessel und warten, ob irgendwann auch zu Ihnen ein Engel kommt. Gehen sie einfach auf die zu, die sie als Engel brauchen, undvielleicht entdecken sie dieses Geheimnis auch, dass wer dem anderem zum Engel wird, oftmals selber einem Engel begegnet. Ich könnte noch mehr davon erzählen, wo ich Menschen Engel sein darf und diese mir zu Engeln werden, aber diese Geschichten passieren ja auch in ihrem Leben, wenn sie es denn wagen, sich von Gott in Dienst nehmen zu lassen für andere und dann merken, dass sie dabei selber von ihm beschenkt werden.
Amen

Jetzt zum Schluss wird es aber nochmal so richtig spannend. Denn keiner sollte heute diese Gemeinde verlassen ohne ein Abbild von einem Engel. Deswegen möchte ich mit ihnen einen Engel basteln.
Ich höre schon einige stöhnen: „Nee, kann ich nicht!“ 
Abwarten – denn es ist gar nicht so schwer. Ich erkläre es kurz und wir haben erfahrene Bastlerinnen unter uns, die vielleicht dann auch weiter helfen können.
Vielleicht kann man ja  auch, während wir unseren Engel basteln, in Ruhe die Gedanken ein wenig schweifen lassen.

Dienstag, 27. März 2018

Unsere erste WoMu(pfel)-Reise von Todtnau nach Velbert

Hier seht ihr Fotos von der Abholfahrt unseres Wohnmobils von Todtnau, über einige schöne Stationen Deutschlands, bis wir nach 6 Tagen endlich Velbert erreichten. Wir danken ganz besonders Keller-Wohnmobile für die tolle Vorbereitung, so dass wir direkt in den Urlaub starten konnten            

Sonntag, 12. November 2017

Jerusalem-Lied

Das Lied hat der Projektchor der EmK Velbert zum Mitarbeiter-Fest und am Sonntagmorgen im Gottesdienst gesungen

Mittwoch, 3. Mai 2017

Maibaum

Der Maibaum wird in Volksdorf im Museumsdorf aufgestellt.  
Wollt ihr sehen wie und wo?  Na, dann schaut mal:
Aber vorher gibt´s  noch einen kleinen Sapziergang durch das Museumsdorf.
Viel Spaß beim Zuschauen!

Montag, 17. April 2017

Predigt Palmsonntag in Vegesack

Die Salbung in Bethanien

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.


Passionszeit – traurig Zeit – angstmachend Zeit

Wir beschäftigen uns in der Passionszeit mit de
m Sterben. Wer leben will, will vom Sterben nichts wissen. So erleben wir es heute jedenfalls - in einer Zeit, in der der Tod immer mehr aus unserem Leben herausgehalten wird. Anders als in früheren Zeiten und in anderen Teilen der Welt, haben die wenigsten Kinder je eine Leiche gesehen. Und auch die meisten erwachsenen Menschen begegnen dem Tod im Alltag vor allem im Fernsehen. In manchen Krimis kommen mehr Leichen vor, als die Zuschauer je in ihrem eigenen Leben sehen werden. Wenn ein Angehöriger stirbt, wird der Leichnam so schnell wie möglich aus dem Haus gebracht. Totenwache, Aussegnung, Abschied am Totenbett sind die Ausnahme geworden.

Sterben macht Angst. Vielleicht ist es die Endgültigkeit, die uns solche Angst macht. Oder die Möglichkeit, dass wir beim Sterben leiden. Oder der Abbruch der Beziehungen, den wir mit dem Sterben verbinden. Wir sind weg, wenn wir sterben. Oder wir erleben, wie einer, der uns lieb ist, vielleicht der Liebste im Leben ist, einfach weg ist.

Es gibt schon gute Gründe dafür, dass uns das Sterben Angst macht, unser eigenes Sterben oder auch das Sterben eines anderen. Wahrscheinlich war es immer schon so. In früheren Zeiten, in denen die Menschen hierzulande permanent mit dem Tod konfrontiert waren, ob durch Pest, Hunger oder Krieg, hat er ihnen Angst gemacht. Und heute ist es noch genauso. Wenn wir heute Fernsehbilder aus Regionen der Welt sehen, in denen der Tod ein ständiger Begleiter ist, aufgrund von Hunger, aufgrund von Krieg, aufgrund von Terror, dann sehen wir nicht abgestumpft gleichmütig wirkende Menschen, sondern dann sehen wir besinnungslos schreiende Mütter, Männer mit verzweifelten Gesichtern, zur Klage erhobene Hände. Der Tod verursacht Trauer und manchmal auch Schrecken, egal wo er auftritt. Das ist heute so und das war früher wahrscheinlich auch nicht anders.

Schon die Bibel gibt davon Zeugnis. Man muss sich nur einmal klarmachen, wie die 12 Männer, die in der Bibel als "Jünger" Jesu bezeichnet werden, mit diesem Thema umgehen. Jesus versucht ihnen immer wieder klarzumachen, dass sein Weg ein Leidensweg sein wird, dass er in den Tod führen wird. Die Geschichte von Jesu Leidensankündigungen und der Reaktion der Jünger darauf ist eine bemerkenswerte Geschichte. Die Jünger wollen es nicht hören. Und Jesus reagiert irritiert. Bei Petrus ist es besonders drastisch.

Im Matthäusevangelium heißt es: "Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!" Und Jesus reagiert scharf: Er wendet sich um zu Petrus und sagt: "Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist." (Mt 16,21-23).

Die Männer können mit der Aussicht dass Jesus Leid und Tod widerfahren wird, nicht umgehen. Als Jesus tatsächlich festgenommen wird, verleugnet Petrus ihn. Und als er stirbt, laufen die Jünger weg.

Umso erstaunlicher ist die Geschichte von der Salbung in Betanien. Es ist das erste Mal in den Berichten über Jesu Worte und sein Wirken, dass jemand versteht, was mit Jesus passieren wird. Dass jemand die Aussicht auf das Leiden aushält. Dass jemand mit dem Tod umgehen kann. Es ist eine Frau, ein "Jüngerin", wie man vielleicht sagen kann, die mit einem liebevollen, ja zärtlichen Ritual sichtbar macht, dass sie auch im Leiden und im Tod an Jesu Seite ist. Es sind die Frauen, die dann später tatsächlich am Kreuz bei Jesus sind, als er stirbt, die am Ostermorgen zum Grab gehen, und die dort die ungeheure Botschaft von Jesu Auferstehung hören.

Was wäre die Passionszeit ohne diese Geschichte, ohne diese leichtsinnige, zärtliche Begegnung inmitten eines gewalttätigen Geschehens, ohne dieses verschwenderische und berechnungsfreie Geschenk einer Frau.
Noch dunkler und erdrückender wäre sie, nur von Schmerz und Abschied belastet. Unerträglich wäre sie. Ein Leidensweg ohne Atempause, ohne lichten Moment.

Es kommt mir vor, als würde diese Frau mit ihrer duftenden, sündhaft teuren Salb-Öl einen Stern in einen dunklen Stoff sticken, einen Blickfang, der Jesus und seinen Jüngern für einige Augenblicke die Möglichkeit eröffnet, sich in etwas Schönes hinein zu entspannen.

Unsere Frau ohne Namen platzt ins abendliche Essen, in eine Tischrunde mit lauter Männern.
Sie scheint es eilig zu haben. Geht direkt auf Jesus zu. Ich nehme an, dass sie weiß, wenn sie zögert oder sich erklärt, kommt sie nicht dazu, ihn zu salben. Man würde sie vor die Tür stellen. Sie hat hier nichts zu suchen.

In ihren Hände, ein Fläschchen mit kostbarstem Nardenöl. Das teuerste Duftöl weit und breit.


Kurzer Einwurf: Ich habe  ein Fläschchen Nardenöl mitgebracht. Ich war überrascht, was  das für  ein Duft ist. Ihr dürft gerne mal daran schnuppern. Bitte geht nicht so verschwenderisch damit um, wie unsere Damen in der biblischen Geschichte, denn es ist tatsächlich nicht ganz so billig.

Die Narde ist eine Nutz- und Heilpflanze aus dem Himalaya, die schon in der Antike bis in den Mittelmeerraum exportiert und zur Zubereitung kostbarer Öle und Salben verwendet wurde. Die Pflanze wächst wild bis auf 5.500 Meter Seehöhe. In der Bibel im Johannesevangelium wird der Wert des verwendeten Öls mit 300 Denaren angeben, was in etwa dem Jahreslohn eines Arbeiters entsprach, also nach heutigem Wert etwa 20.000 EUR.

So teuer war dieses Fläschchen jetzt nicht.
Die Frau also geht zu Jesus, zerbricht den schmalen Hals des Alabaster-Fläschchens, der so konstruiert ist, damit der wertvolle Inhalt nur tropfenweise herauskommt, damit ja nichts vergeudet wird. Sie schüttet gleich den ganzen Inhalt auf den Kopf Jesu. Mit zärtlichen Berührungen verteilt sie das Öl. Der Duft wird ihn begleiten, die Vergegenwärtigung der zärtlichen Hand wird ihn trösten.

 Die Jünger protestieren: "Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können." Es ist Jesus selbst, der den Verstehenshorizont für das öffnet, was da passiert. "Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan." Und er selbst gibt diesem Akt und der Frau, die ihn vollzieht eine Bedeutung, die kaum zu überschätzen ist: "Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat."

Diese Geschichte spricht mitten hinein in unsere heutige Welt, in der wir so sprachlos gegenüber dem Tod geworden sind. Wie sehr können wir die Angst der Jünger nachvollziehen, die diese dunklen Andeutungen über das bevorstehende Leiden nicht hören wollen, die vom Tod nicht reden wollen, bis es unvermeidlich geworden ist.

Die Frau weiss, wie fragil und schutzlos der Mensch gegenüber Mächtigen sein kann. Wie ausgeliefert und hilflos. Sie ist eine Frau. Sie hat es erfahren und wird es gleich wieder erleben. Sie tut es trotzdem. Das ist ihre Stärke.
Und welche Kraft hat genau inmitten dieser Gefühlslage die zeichenhafte Aktion der Frau. Man kann die Liebe, die Dichte der Beziehung, die Tiefe der Verbindung, die zwischen der Frau und Jesus besteht, noch heute durch diesen fast zwei Jahrtausende alten Text spüren. Und man kann spüren, dass diese Tiefe der Beziehung etwas ist, was durch Leid und Tod gerade nicht aufgehoben, sondern, im Gegenteil, bekräftigt wird. Man kann in der Geschichte spüren, was Paulus mit so eindrucksvollen Worten beschreibt und was für jeden und jede einzelne von uns heute so tröstlich ist: "Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn (Röm 8,38f).


Bist du verrückt, ruft es aus der Runde der Tischgenossen. Das ist pure Vergeudung.
So teures Öl. Ein ganzes Vermögen. Du würdest Jesu mehr Freude machen, wenn du das Geld statt für diesen Luxus für die Armen einsetzen würdest. Gute Werke wollen wir sehen, keine sinnlosen Taten.

Etwas an dieser Haltung der Jünger Jesu kommt mir bekannt vor. Es reicht bis in meine Kindheit zurück.
Urprotestantisches Denken. Nüchternheit. Ausklammerung des Sinnlichen. Kleider müssen sauber sein und geflickt, bis auf die Unterwäsche. Ja keine Löcher in den Socken. Das ist das Wichtigste. Farbig sollten die Kleider aber nicht sein, auffällig auch nicht. Schönheit macht hoffärtig. Schönheit und Stolz wachsen auf einem Holz.


Die Freunde Jesu. Sie meinen es gut. Sie wollen das Beste. Sie glauben ihn zu kennen, ihren Meister.
Sie haben seine Denkweise übernommen.
Haben sie auch sein Mitfühlen übernommen?
Sie folgen ihm nach, blind.
Sie sehen nicht, was er jetzt in dieser Stunde brauchen könnte.
Sie denken nicht selber.
Sie halten sich an Regeln.
Sie fühlen nicht selber.
Sie weisen die Frau zurecht.
Sie sind überfordert mit Zärtlichkeit und Liebe.

Die Reaktion Jesu muss die Jünger erschreckt und verunsichert haben. Er nimmt diese Verschwenderin in Schutz. Ein Argument nach dem andern nimmt er Zu Hilfe, um diese Frau zu verteidigen. Er versteht ihre Handlung.
Sie kann nicht anders. Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt.
Mehr noch, er lobt ihr Handeln. Sie hat ein schönes Werk an mir getan.
Und zuletzt will er sie noch verewigen. Man wird sich an sie erinnern.
Für Jesus ist diese Frau, die einzige Anwesende, die verstanden hat, was er jetzt braucht. Der Duft des Nardenöls, die Zärtlichkeit der Gesten, die Liebe in der Verschwendung, all das wird ihn durch die Leidenszeit tragen, mehr als alles andere. Die Frau hat intuitiv erfasst, dass er nicht mehr lange da ist. Der Augenblick zählt mehr als das Nachdenken. Das warme, lebendige Gespür für eine Situation zählt jetzt mehr als die kühle Vernunft. Die einfühlenden Gesten der Frau, die Nähe und Zuwendung enthalten letztlich Tröstung. Sie lindern Angst und Einsamkeit und geben Kraft, alles durchzustehen.

Wie wäre Jesus in den Tod gegangen, ohne diese zärtlichen Berührungen, ohne diesen Hauch von Erotik. Sie sind der helle Fleck im dunklen Geschehen, ein kurzer Wärmeeinfall in der kalten Trostlosigkeit der Passionszeit. 
Die liebevolle Salbung Jesu durch die Frau "zum Begräbnis", wie Jesus sagt, ist ein eindrucksvolles Zeugnis genau dafür. Genau für das, was wir heute am dringendsten brauchen.
Und noch etwas sagt uns diese Geschichte, das aktueller nicht sein könnte. Der Protest der Jünger gegen die Handlung der Frau speist sich aus Überlegungen, die uns heute sehr bekannt vorkommen. Die Jünger sagen: "Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können."
Nutzenabwägungen haben immer einen gewissen Platz, wenn es um die Verteilung knapper Ressourcen geht. Und so mancher fragt sich beim Hören oder Lesen dieser Geschichte vielleicht auch, ob die Jünger nicht Recht haben. Aber Nutzenerwägungen haben eben Grenzen. Es ist für unsere Diskussionen um den Umgang mit dem Sterben heute schon bemerkenswert, wo diese biblische Geschichte die Grenze markiert: die liebevolle Begleitung von Menschen, die auf den Tod zugehen, ist nicht aufrechenbar gegen einen noch so hohen anderen Zweck. 
„Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt“, so erklärt es Jesus am Ende der Szene und nimmt vorweg, dass die Rede von seinem Tod Evangelium sein wird, frohe Botschaft, Heil für alle Welt.Damals in Betanien hat es begonnen, offenbar zu werden.
Ob die, die dabei waren, die Größe des Momentes verstanden haben? Der Evangelist erzählt uns nicht, wie sie reagiert haben. Doch ist die nächste Szene der knappe Bericht über den Verrat des Judas. So unvermittelt die Szenen aufeinanderfolgen, so sehr überstrahlt die eine die andere.
Während Judas mit den Hohenpriestern über seinen Verrat schnell handelseinig wird, ist das Haus des Simon vermutlich noch lange erfüllt vom Duft des kostbaren Öls.Wir heute und hier brauchen kein kostbares Nardenparfüm, um diesen Duft, diese Botschaft bis auf den Grund unserer Seele hinab wirken zu lassen. Auch wenn wir eben einmal daran geschnuppert haben und wir seinen besonderen und langanhaltenden Duft noch in der Nase haben.Auch andere Formen und Erfahrungen schenken uns Gewissheit, dass Jesus der Messias ist und dass seine Wirklichkeit in unser Leben herüber strahlt: ein klärendes Wort,  eine zärtliche Geste, eine tröstliche Musik, ein Weg, der sich auftut nach langer Suche, vielleicht die Erfahrung von Großzügigkeit oder Befreiung –auch sie können uns erzählen und hinein holen in diesen Raum der Gewissheit wie ein Duft, der von Liebe erzählt und von der Ewigkeit. Einer Ewigkeit, der wir begegnen in Jesus Christus.

Amen